Mietgarten-Anbieter tegut… im Interview

Mietgarten-Anbieter

In unserem zweiten Interview sprachen wir mit Stefanie Krecek, Koordinatorin der tegut… Saisongärten.

Stellen Sie das Unternehmen tegut… doch bitte kurz vor.

tegut… gute Lebensmittel ist ein Handelsunternehmen mit dem Ziel, den Menschen gute Lebensmittel anzubieten. Mit rund 280 Lebensmittelmärkten ist tegut… in Hessen, Thüringen, Nordbayern sowie Göttingen und Mainz vertreten.
Das Angebot genussvoll guter und ökologischer Lebensmittel, die es jedem ermöglichen, sich menschengemäß zu ernähren und zu entwickeln ist dem Unternehmen ein besonderes Anliegen. Frische Lebensmittel, regionaler Bezug und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Mitarbeitenden für eine individuelle berufliche und persönliche Entwicklung stehen im Fokus der Arbeitsgemeinschaft tegut…
Bereits 1982 hat tegut… damit begonnen, Bio-Produkte in das Sortiment aufzunehmen. Inzwischen führen tegut… Märkte über 3.000 Bio-Produkte. Seit 2013 ist das tegut… Handelsgeschäft ein Teil der Genossenschaft Migros Zürich. Insgesamt sind über 5.200 Menschen in den Märkten, den Logistikzentren und den Zentralen Diensten in Fulda für tegut… tätig.
Weitere Informationen finden Sie unter www.tegut.com oder unter www.facebook.com/tegut
tegut… beteiligte sich auch als eines der ersten Handelsunternehmen am Projekt bio-mit-gesicht.de, weil für tegut… die Herkunft der Lebensmittel schon immer ein wichtiges Kriterium für menschengemäße Ernährung ist. Innerhalb der Initiative sind Produkte aus dem tegut… Sortiment, die mit einer bio-mit-gesicht-Nummer versehen sind, im Internet bis zum Bio-Bauern zurückverfolgbar.

Wie entstand die Idee zu den Saisongärten und an wen richtet sich das Angebot?

tegut Logo

Quelle: www.tegut.com

Seit 2009 unterstützt tegut… die Idee “Selbstgärtnern für alle” mit der Gründung der tegut… Saisongärten.
Die ersten Projekte dieser Art starteten 1999 in Deutschland und die ursprüngliche Idee stammt aus Österreich und reicht bis in die 80er Jahre zurück und ist dort sehr beliebt. Im Frühjahr 1999 starteten in Deutschland die ersten zwei Gemüse-Selbst-Ernte-Projekte. Eines auf der Staatsdomäne Frankenhausen, dem ökologisch bewirtschafteten Versuchsbetrieb der Universität Kassel und eines im Grüngürtel von München, heute als “Krautgärten” bekannt. An diesen Standorten ernten die Gärtner jetzt schon seit über zehn Jahren mit großer Freude. Die Krautgarten-Standorte haben sich vermehrt und sind in München zu einer richtigen Institution mit sehr vielen Nutzern geworden. In den folgenden Jahren wurde das Konzept von der Universität Kassel beforscht und bekannt gemacht, so dass sich die Idee in Deutschland weiter ausbreitete.“ Begeistert von der Idee des „Selbstgärtnerns für alle“ unterstützt tegut… seit 2009 die Idee mit der Initiative „tegut… Saisongärten“. tegut… berät die Landwirte bei der Anlage der Felder und unterstützt sie in der Öffentlichkeitsarbeit. Inzwischen gibt es rund 14 Standorte in Hessen und Franken.
Die Saisongärten sind ein praktisches Gartenangebot für Menschen, die bisher wenig Erfahrung mit Eigenanbau von Gemüse haben, nicht über eigenes Land verfügen oder trotz knapper Zeit gerne gärtnern möchten. Auch für Kindergärten und Schulen mit wenig oder keiner Gartenfläche ist eine Saisongartenparzelle nicht nur sehr praktisch, sondern eine einfache Möglichkeit, dem Ursprung unserer Nahrung hautnah nachspüren und erleben zu können.

Gibt es signifikante Unterschiede zu anderen Mietgarten-Anbietern?

Es gibt mehrere Unterschiede: da haben wir die regionalen Anbieter wie den Saisongarten „Gartenglück“ im Stadtgebiet Köln, den „Bauerngarten“ im Stadtgebiet Berlin oder Urban Gardening Projekte, die eben „nur“ in ihrer Stadt vertreten sind und wir haben die überregionalen Anbieter wie meine ernte, Ackerhelden und tegut… Saisongärten.
Bei den überregionalen Anbietern steht tegut…, von der Zahl seiner Standorte, an zweiter Stelle. Generell gibt es Größenunterschiede, die Ausrüstung variiert, manch Anbieter bietet kostenloses Saatgut und Jungpflanzen zum Nachsäen oder Give aways zur Identifikation mit „seinem“ Garten an. Natürlich gibt es auch Unterschiede im Angebot der Gemüsekulturen und, sehr wichtig, unterschiedliche Anbauphilosophien, d.h. manch Anbieter beackert seine Gärten nur auf Verbands- Bio (Qualitätsstandards der Bio-Verbände liegen weit über denen der EU-Öko-Mindeststandards), die anderen konventionell und bio und die dritten nur bio, haben aber evtl. nicht alle Flächen zertifiziert. Außerdem sind da auch, nicht zu vergessen, die preislichen Unterschiede und die vertraglichen Unterschiede mit den Landwirten bzw. den Betreibern. Unsere Saisongärten funktionieren so, dass es zwischen tegut… und allen Landwirten der verschiedenen Standorte Kooperationen im Bereich Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Konzeption gibt. Die Saisongärten werden aber von den Landwirten selbst geplant, organisiert, (finanziell) abgewickelt und getragen.

Unter den Bundesbürgern geht der Trend dahin, sich gesünder und bewusster zu ernähren. Aus unserer Sicht kann durch die Nutzung eines Mietgartens dazu beigetragen werden. Aber wie sind die Zukunftsaussichten!? Ist der “Healthy-Food-Trend” und das “Mietgärtnern” nur eine Modeerscheinung?

Ich denke nicht, dass es nur eine Modeerscheinung ist, dafür gibt es die Gemüseselbsternte (GSE) in Form von Mietgärten schon viel zu lange. Zum Glück! Und immer mehr Menschen machen sich Gedanken über ihre Nahrungsmittel und wollen mitbestimmen. Auch wurden die tegut… Saisongärten als offizielles Projekt der UN-Weltdekade 2013/14 „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Daran können Sie sehen, welche Bedeutung das Thema bekommen hat. Den Titel erhalten Projekte, die durch ihre Tätigkeit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. Dies wird mit dem Konzept der Saisongärten seit 2009 erfüllt. Kindergartengruppen, Schulklassen und Privatpersonen haben an verschiedenen Standorten in Hessen und Unterfranken die Möglichkeit, über den eigenen Anbau von Gemüse eine veränderte Wertschätzung für Lebensmittel zu erhalten und bekommen nebenbei Einblicke in das landwirtschaftliche Arbeiten auf Bio-Betrieben.
Das ist in gewisser Weise auch ein politisches Statement. Der Kunde bekommt einen Einblick in die Lebensmittelerzeugung und in die Bedeutung der Landwirtschaft für unsere Lebensmittel. Das Bewusstsein wird sensibilisiert und im Gespräch mit Freunden und Bekannten können sie z.B. den Zusammenhang zwischen Lebensmittelerzeugung und -preisen besser nachvollziehen und besser erklären. Wo kommt mein Gemüse her, die Region, der Hersteller, die Anbauweise, Inhaltsstoffe, das alles ist enorm wichtig für den kritischen Konsumenten und das kann er in seinem eigenen Garten selbst festlegen und überprüfen.
Die gemeinsame Gartenarbeit an der frischen Luft bietet außerdem einen hohen Erholungswert und hat sogar etwas Therapeutisches. In Mietgärten kommt man ins Gespräch und lernt nette Leute kennen. Eltern können ihren Kindern die Herkunft von Lebensmitteln zeigen und sie für das selbst erzeugte Gemüse begeistern, welches dann auch meist lieber verzehrt wird.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das interessante Interview.

Mietgärten sind in Deutschland so beliebt wie nie zuvor. Da wir selbst seit einiger Zeit begeisterte Mietgärtner sind, möchten wir diejenigen, die ebenfalls ohne eigenen Garten gerne ihr Gemüse anbauen würden, in Form von Interviews auf die Angebote der Mietgarten-Anbieter aufmerksam machen.

Sandra

Warum es die Grüneliebe gibt? Weil ich mit Leidenschaft in meinem Garten bin und frische, gute Lebensmittel liebe. Meine Erfahrungen und Erlebnisse gebe ich euch auf grüneliebe.de weiter und hoffe euch damit zu inspirieren. Viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

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